Friedensfilmpreis 2012

PREISTRÄGER 2012

Csak a szél (Just The Wind)
von Bence Fliegauf

Ausgehend von einer realen Mordserie an Roma in Ungarn, erzählt der Film Csak a szél einen Tag im Leben einer Roma Familie, vierundzwanzig Stunden der Angst vor der Gewalt, die sich das nächste Opfer sucht. In unvergesslichen Bildern zeichnet der Regisseur den Wendekreis der Angst, in dem die Roma leben, immer auf der Flucht, immer in Erwartung der nächsten Demütigung, immer in der Not, lieber unsichtbar und schutzlos als sichtbar und ausgeliefert zu sein.
Dabei gelingt es dem Regisseur mit einem beeindruckenden Ensemble aus Laien-Darstellern, die von Mythos und Ressentiment besetzten Bilder von Roma zu unterwandern. Aus dem wahren Leben heraus gelingt es ihm, seine Figuren in all ihrer Gebrochenheit und Individualität zu zeigen. Csak a szél schafft Bilder, die in ihrer ästhetischen Genauigkeit und humanistischen Tiefe nachhaltig beeindrucken: wie der Sohn den Leichnam des toten Schweins beerdigt, das der am Vortrag ermordeten Familie gehörte, weil es das einzige ist, was er tun kann, wie die Tochter die Vergewaltigung einer Mitschülerin beobachtet und nicht einschreitet, sondern sich abwendet mit einem Blick, der sich erinnert, der weiß, dass es sie selbst sein könnte, und wie dieselbe Tochter das Kind einer verwahrlosten Familie von ihrer betrunkenen Mutter und dem dahindösenden Vater mit zum Baden nimmt, ein kurzer Moment des Glücks, der nur wie ein Aufschub des Schrecklichen wirkt, das folgt.
Der Regisseur Bence Fliegauf romantisiert die Roma und ihre Lebenswelt nicht, sondern er zeichnet mit traurigem Ernst die Welt der Schutzlosen, die mit uns leben und deren Alltag im Europa des 21. Jahrhunderts immer noch von Ressentiment, Tabus und Gewalt bestimmt ist.
Jurymitglieder 2012:
Christoph Heubner
Mehdi Benhadj-Djilali
Monica Ch. Puginier
Marianne Wündrich-Brosien
Burhan Qurbani
Helgard Gammert-Jakli
Carolin Emcke
Till Passow
Sung-Hyung Cho

 

 

 

“Gut, dass es den Friedensfilmpreis gibt. Er ist wichtiger denn je: die Welt ist voller Kriege, Ungerechtigkeit, Folter und Ausbeutung. Da ist die Auszeichnung durch diesen renommierten Preis nicht nur eine Ermutigung für die engagierten Filmemacher/innen, sondern generiert auch Öffentlichkeit für die Opfer.”

Dieter Kosslick (Festivaldirektor/ Berlinale), im Januar 2012


**Vom 9. bis 19. Februar 2012 finden die 62. Internationalen Filmfestspiele in Berlin statt. Neben der Jagd auf die begehrten „Bären“ setzt der unabhängige Friedensfilmpreis seit 1986 regelmäßig wichtige Akzente.**
Der Preis ist auf €5000,- dotiert und wird in Form einer vom Künstler Otmar Alt gestalteten Bronzestatue vergeben. In diesem Jahr wird der Friedensfilmpreis zum 27. Mal verliehen.

 

 

Die Jurymitglieder sehen zehn Tage lang Filme aus allen Sektionen des Berlinale-Wettbewerbs. Vom Drama bis zum Kinderfilm werden sie nach Botschaft, sozialem Engagement und Umsetzung beurteilt. Zu den Friedenspreisträgern der letzten Jahre zählen Filme von Marcel Ophüls, Dennis O’Rourke, Michael Winterbottom und Bille August.
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