Projekt des Goethe-Instituts
Im 19. Jahrhundert kam jeder dritte New Yorker aus Deutschland. Jetzt hat das Goethe-institut eine neue Webseite programmiert: “German Traces NYC” entwirft GPS-Touren, die an Orte mit deutscher Geschichte führen – wie die Metzgerei Schaller und Weber oder die Aschenbrödel-Halle.
German Traces NYC Großansicht des Bildes Spuren der deutschen Einwanderer sind in Manhatten nicht leicht zu finden – eine App hilft nun dabei.
Sushi-Bars, Tatoo-Shops und Designer-Boutiquen: Das East Village ist eines der jüngsten und coolsten Szeneviertel Manhattans. Mittendrin steht ein unauffälliger, alter Backsteinbau. An der Fassade steht noch die ursprüngliche Inschrift von 1888: “Vereinshaus der deutsch-amerikanischen Schützengesellschaft”.
“Das war wirklich so ein Schützenverein, wie man ihn im 19. Jahrhundert gerne hatte“, erklärt Brigitte Doellgast vom Goethe-Institut in New York. Viele Deutsche, die in die Stadt gekommen waren, hätten sich natürlich auch in Vereinen organisiert – nicht nur aus gesellschaftlichen Gründen, sondern auch ein bisschen, um soziale Verbindungen aufzubauen.
Audio: Deutsche Spurensuche in New York
AudioClaudia Sarre, NDR-Hörfunkstudio New York 10.12.2011 13:34 | 3’36
Ost-Manhattan hieß Klein-Deutschland
Ende des 19. Jahrhunderts war ein Drittel aller New Yorker deutschstämmig.
Der Ostteil Manhattans hieß damals Klein-Deutschland, erzählt die Bibliothekarin: “Hier haben sehr sehr viele Deutsche gelebt, kurz nachdem sie eingewandert sind.” Erst um die Jahrhundertwerde seien die meisten von ihnen Richtung Yorkville auf die Upper Eastside gezogen sind.”
Da es heutzutage in New York – außer Kölsch und Currywurst – nicht mehr allzu viele Relikte aus der alten Heimat gibt, hat das Goethe-Institut eine mobile Webseite entworfen, die das Aufspüren von deutscher Kultur leichter macht.
Mit seinem Smartphone begibt man sich auf einen Stadtrundgang und bekommt an den jeweiligen historischen Orten Originalfotos samt Erklärung aufs Handy projiziert – zum Beispiel am Astor Place: “Hier haben wir nur ein Foto von Johann Jakob Astor, der ja ein sehr wichtiger Geschäftsmann war dieser Zeit”, erläutert Doellgast. “Das legt sich über das Bild, was wir hier vom Astor Place haben.” Und bei den meisten anderen Orten, die man mit dieser “augmented reality” (“erweiterte Realität”) versehen habe, legten sich Fotos davon, wie die Gebäude früher aussah, vor das Bild, das man in seiner Kamera hat.
Turnverein und Gemischtwarenladen an der Upper East Side
Vor einem imposanten Apartmenthaus auf der Upper Eastside erscheint das Foto des ersten deutschen New Yorker Turnvereins auf dem Handy-Display, im Ruppert Park ganz in der Nähe weist ein Bild auf den berühmten deutschen Brauer Jacob Ruppert hin, und vor Bloomingdales erscheint ein Foto der beiden Brüder bayrischer Abstammung, die das Kaufhaus vor 140 Jahren als Gemischtwarenladen gegründet haben. Die Infos gibt es auch als Audio.
Tatsächlich macht die moderne Technik die Vergangenheit ein Stückchen erlebbarer. Ohne einen Hinweis von germantracesnyc.org hätte man das kleine Denkmal im Tomkins Square Park sicher übersehen: Es erinnert an den Untergang des Dampfers “General Slocum”, bei dem 1904 über 1000 Deutsche ums Leben kamen.
Auf den Spuren der eigenen Familiengeschichte
Diese geschichtlichen Details interessieren nicht nur Touristen, sondern vor allem auch Amerikaner mit deutschen Vorfahren, sagt Katherine Borkowski, die an dem Projekt mitgearbeitet hat: “Wir haben viele interessierte Mails bekommen von Amerikanern, die ihre Familiengeschichte erforschen. Solche Leute sind eine gute Zielgruppe für das Projekt.”
Mit der mobilen Webseite kann man also nicht nur die Anfänge seiner Vorfahren auf dem amerikanischen Kontinent erforschen, die deutsche Spurensuche ist außerdem eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit der Einwandererstadt New York.
(Quelle: tagesschau.de, Von Claudia Sarre, ARD-Hörfunkstudio New York)
